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Schaustellerkongress in Paderborn

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Großes Interesse an Bildung bei Schaustellerkongress in Paderborn

Paderborn. Gleich vier Veranstaltungen befassten sich im Rahmen der 75. Bundesdelegiertenversammlung des Deutschen Schaustellerbundes vom 22. bis 26. Januar 2026 im wsetfälischen Paderborn mit dem Thema Bildung.

Für reisende Berufsgruppen stellt der Schulbesuch für die Kinder und Jugendlichen eine besondere Herausforderung dar. Wöchentlich wechselnde Schulen machen das Lernen schwer. Seit 1990 gibt es in Deutschland aber viele Entwicklungen, um die Bildungssituation für reisende Kinder zu erleichtern. Sowohl die Europäische Union als auch die deutschen Bundesländer leisten erhebliche Unterstützung zur Entwicklung kindgerechter Schulangebote.

Natürlich gibt es bei diesen oft ungewöhnlichen Schulprojekten immer wieder Anpassungs- und Verbesserungsbedarf.  Durch die Beteiligung von Eltern und speziellen Lehrkräften (“Bereichslehrkräfte”) sowie Schulen mit mobilen Klassenräumen gibt es immer wieder Hinweise und Vorschläge an die Verantwortlichen, die bei den jährlichen Treffen formuliert und diskutiert werden. So auch in Paderborn.

Auf Einladung von BERiD, dem Bundesverband für die Bildung und Erziehung reisender Kinder in Deutschland, trafen sich die Bildungsexperten mehrere Länder unter der Leitung von BERiD-Präsidentin Marlies Stotz zur Erörterung von Vorschlägen zur Weiterentwickung der Bildungsprojekte.

So wurde von den Anwesenden die Bereitstellung von zusätzlichen mobilen Schulwagen/rollende Klassenzimmer für Schaustellerkinder durch die Bezirksregierungen Arnsberg, Münster und Detmold (alle NRW) sowie  auch in Thüringen sehr begrüßt. Durch die mobilen Optionen eröffnen sich neue Möglichkeiten, reisende Kinder zu fördern, Bereichslehrkräften geeignete Fördermaterialien an die Hand zu geben und auch Elternkontakte herzustellen und zu vertiefen.

Im Gegensatz zur „rollenden“ Schule für Circuskinder NRW  (Schulträger: Evangelische Kirche im Rheinland, Hilden) oder der hessischen „Schule für Kinder beruflich Reisender“ (EVIM, Wiesbaden) gibt es für Schulwagen für Schaustellerkinder keinen klassischen Schulträger. Dankenswerterweise springen die Bezirksregierungen mit „Bordmitteln“, der Deutsche Schaustellerbund mit seinem Bildungswerk sowie das BFI (Bildungsnetz Förderung Individuell e.V., Gütersloh), ein Förderverein (Hannover,Niedersachsen; Augsburg, Bayern) ) oder ein Bundesland (Thüringen) ein, um zumindest die Anschaffung solcher – in der Regel gebrauchter – Wagen zu ermöglichen. Die Finanzierung der laufenden Kosten wie auch die Kosten von Reparaturen der Wagen sind nicht immer gesichert.

Noch immer gibt es vereinzelt Schulleitungen, die den Empfehlungen der Länderkonferenz der Bildungsminiserien nicht folgen und Kindern von Schaustellern die Freistellung von der Schule für den Familienurlaub im Anschluss an die Weihnachtsferien versagen. BERiD ist hierzu gegenüber den Ländern (Gemeinsame Konferenz) vorstellig geworden. Für Schaustellerfamilien ist in der Regel die Zeit nach den Weihnachtsmärkten die einzige zeitliche Gelegenheit, einen Familienurlaub zu machen. Ein Merkblatt, das Eltern den Schulen vorlegen können, wird auf der BERiD-Webseite www.schule-unterwegs bereitgestellt.

Es kommt gelegentlich vor, dass Stützpunktschulen reisende Kinder nicht aufnehmen. Hier bietet sich die Kontaktaufnahme mit der Schulaufsicht an.

Die Einschulung der reisenden Kinder an einer Stammschule, das ist die Schule, die am Familienwohnsitz liegt, sollte frühzeitig mit der Schule besprochen werden. Dazu sollte auch die Information an die Schule gehören, dass der Familienurlaub aus beruflichen Gründen erst im Anschluss an die Weihnachtsferien stattfinden kann.

Verstärkung der Primarstufe

Der Übergang vom Kindergarten in die Schule ist ein wichtiges Ereignis im Leben eines Kindes. Allerdings haben nur die wenigsten reisenden Kinder die Möglichkeit, vorher eine Kita zu besuchen. So fehlen diesen Kindern oft Kompetenzen für einen erfolgreiches Lernen. Gerade die Klassen 1 und 2 stellen eine sehr bedeutsame Grundlagen für den weiteren schulischen Bildungsweg dar. Wenn den Kindern dabei der „Unterbau“ eines Kitabesuchs fehlt und die Belastung durch wechselnde Schulen hinzukommt, sind Lernschwierigkeiten vorprogrammiert. Deshalb sollten Kinder in diesen beiden ersten Schuljahren eine intensivere Förderung/Unterstützung erfahren. Dazu hat BERiD der KMK für die Länderkonferenz eine entsprechende Vorlage übermittelt.

Beitrag: Marlies Stotz | Präsidentin BERiD